20. Juni 2019

Television | Mobile | Innovation

Das Portemonnaie von Morgen – eine App

Kein Münz? Aber ein Smartphone! Wer nur noch bargeld- und kartenlos bezahlen möchte, kann das je länger je mehr mit der passenden App.

Kennst Du das auch? Du stehst vor der Parkuhr und suchst verzweifelt nach Münzen. Oder Du stehst mit Deinen Einkäufen in der Schlange, das Förderband übervoll mit Sachen für die Grillparty und wenn es ans Zahlen geht, merkst Du, dass Du Dein Portemonnaie zu Hause vergessen hast! Spätestens jetzt bist Du froh, wenn Du auf Deinem Handy bereits eine sogenannte Bezahl-App hast, mit der Du alles bargeld- und kartenlos bezahlen kannst.


Wie funktioniert mobiles Bezahlen

Die international gängigste Bezahlmethode ist die sogenannte NFC (Near Field Communication). Dabei werden die Daten verschlüsselt über eine kurze Distanz von Smartphone zu Smartphone oder von Smartphone zu einem NFC-kompatiblen Kassenterminal übertragen und umgekehrt. Oder aber beim Bezahlvorgang wird ein QR-Code mit den zu übertragenden Daten erstellt, der dann vom Smartphone gescannt und verarbeitet wird. Twint, die App der Schweizer Banken, setzt zudem auf das kontaktlose Bezahlen via Bluetooth über eigene Twint-Terminals, den sogenannten Beacons. Bei allen Varianten findet die eigentliche Transaktion auf gesicherten Servern der Anbieter statt, das Handy und ein persönlicher Pin dienen lediglich der Authentifizierung, also dafür, dass Du den Betrag und den Gläubiger bestätigen kannst. Weil auf dem Handy keine Informationen zu Deinen Bankdaten gespeichert sind, ist diese Bezahlweise gut gegen Missbrauch geschützt.

Hinter Twint stehen heute über 70 Banken, darunter grosse Finanzinstitute wie Postfinance, die UBS Credit Suisse, die Kantonalbanken und Raiffeisen Schweiz. Kein Wunder also, dass vor allem die jüngere Generation von Herr und Frau Schweizer auf die Marke Eigenbau setzt. Twint ist aktuell der grösste Anbieter für mobiles Bezahlen in der Schweiz. Noch. Denn dicht hinter Twint folgen Apple Pay und Samsung Pay, die Bezahl-Apps der globalen Big Player Apple und Samsung. Im Gegensatz zu deren App, die nur über hinterlegte Kreditkarten oder Prepaid-Karten funktionieren, greift die Schweizer Banken App direkt aufs Konto zu. Wer will, kann aber auch seine Kreditkarte hinterlegen oder die separate Prepaid-App benutzen. Während Twint aber nur im Inland anwendbar ist, funktionieren die Lösungen von Samsung, Apple, Google und Co. weltweit.

Twinten ist in

Zugegeben, zurzeit steckt das bargeldlose Bezahlen mit dem Smartphone oder der Smartwatch in der Schweiz im Vergleich zu den USA oder China noch in den Kinderschuhen. Doch auch hierzulande zeichnet sich eine rasante Entwicklung hin zum mobilen Bezahlen ab. Während das Bezahlen mit Twint an der Supermarkt-Kasse nicht wirklich ein Zeitgewinn ist, so ist es mit der NFC wie im Vorbeigehen erledigt. Die wirklich praktische Funktion bei den Bezahl-Apps ist aber die Geldüberweisung «Peer to Peer» (P2P), also von Smartphone zu Smartphone. So kannst Du zum Beispiel Deinem Kollegen die 20 Franken, die Du ihm für das mitgebrachte Buch schuldig bist, direkt via Bezahl-App überweisen. Bei Twint können so Beträge bis 1500 Franken die Besitzer wechseln. Vor allem bei den Jugendlichen ist es mittlerweile in zu «twinten». Denn weil sie für Twint keine Kreditkarte benötigen, ist twinten für Teenies unter 18 Jahren meistens die einzige bargeldlose Option.

Welche der mobilen Bezahl-Apps in der Schweiz das Rennen machen, bleibt abzuwarten. Noch ist es nicht soweit, das Portemonnaie getrost in der Schublade zu verstauen. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis auch die allerletzte Parkuhr in der Schweiz mit der neuen Technologie des mobilen Bezahlens ausgestattet ist.