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9. April 2020

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Disney+ startet in ein kostspieliges Business

Disney+ hat einen fulminanten Start hinter sich und macht damit der bisherigen Nummer 1 der Streamin-Anbieter – Netflix – mächtig Druck. Das Resultat ist hoffentlich ein noch besseres Streaming-Angebot.

 

Im November 2019 ist der Streamingdienst Disney+ in den USA gestartet und nur drei Monate später, Anfang Februar, hatte er schon 28,6 Millionen Abonnenten. Inzwischen werden es noch mehr sein, denn der Streamingdienst ging Ende März international auf Sendung – auch in der Schweiz.

 

Das bietet Disney+

Disney ist ein grosser Name im Unterhaltungsbusiness. 1928 produzierte Walt Disney seinen ersten Welthit Mickey Mouse. «Mauskonzern» ist auch heute noch ein Spitzname der «The Walt Disney Company», zu der TV-Sender, Vergnügungsparks, Film- und Animationsstudios und seit einiger Zeit auch Streamingdienste gehören. Das jüngste Disney Kind ist nun Disney+, das dem Streamingmarktführer Netflix gehörig Druck machen kann. Denn Disney+ hat ein paar Trümpfe im Ärmel, die das grosse Echo gleich zu Beginn erklären.

Eine riesige Sammlung an Disney-Klassikern und weiteren Eigenproduktionen. Die meisten davon wurden bisher im so genannten Disney Bunker gehortet. Das bedeutet, dass Disney Filme und Serien nicht beliebig angeschaut und erworben werden konnten. Auf Disney+ sind sie nun bald alle exklusiv für Abonnenten zu sehen.

Disney vereint neben den Walt Disney Studios und Walt Disney Animation Studios weitere starke Marken unter einem Dach: Pixar, Marvel, Lucasfilm, 20th Century Studios und mehr. Das ist eine geballte Ladung Kreativität und Know-how, um weitere Originale zu produzieren.

Disney+ hat eine klare Ausrichtung. Der Streaming-Dienst ist vor allem «familienfreundlich».

Der Preis ist im Moment einiges günstiger als der von Netflix. Mit 9.90 Franken pro Monat oder 99 Franken für ein Jahresabo öffnest du deine Tür zum Disney Bunker.

Aktuell lockt Disney+ gleich mit mehreren Serien, die das Publikum und Kritiker gleichermassen begeistern. Vor allem «The Mandalorian» aus dem Star Wars Universum, zieht die Zuschauer in den Bann. Auch die finale Staffel von der beliebten Serie «Star Wars: The Clone Wars» läuft noch bis Oktober 2020. Oder die Doku-Serie «The World according to Jeff Goldblum», in der der exzentrische Schauspieler einen überraschenden Blick wirft auf alles, was ihn interessiert.

 

Auch Netflix setzt auf exklusive Eigenproduktionen

Die Anzahl Abonnementen, die Disney+ in nur drei Monaten schaffte, musste sich Streaming-Pionier Netflix über Jahre erarbeiten. Inzwischen zählt er 167 Millionen Abonnementen und ist in 190 Ländern aktiv. Auf seinem Weg vom Video- und DVD-Verleih zum Streaming-Giganten war Netflix nicht nur innovativ, das Unternehmen musste auch die Strategie immer wieder anpassen. Als die Verleiher und Produzenten merkten, dass Netflix mit seinem Streaming-Modell Erfolg hat, wurden die Lizenzverhandlungen für Filme und Serien immer schwieriger und die Lizenzgebühren immer höher. Also fing Netflix 2013 mit Eigenproduktionen an und zeigte, dass seine Leute das richtig gut können. Die beiden Serien «House of Cards» – mit dem inzwischen gefallenen Kevin Spacy – und «Orange is the New Black» waren grossartige Debuts im Produzenten-Business. Der Erfolg ihrer Eigenproduktionen gibt Netflix Auftrieb und so arbeitet das kalifornischen Unterhaltungsunternehmen Jahr für Jahr näher an sein 2016 kommunizierten Zielwert, 50 Prozent der bereitgestellten Filme und Serien selbst zu produzieren. Aktuell ist das hausgemachte Fantasy-Epos «The Witcher» das Zugpferd der Netflix-Serien sowie eigenproduzierten Spielfilmen wie «The Irishman» von Martin Scorsese mit Robert de Niro, Al Pacino und Harvey Keitel oder auch die berührende Geschichte einer zerbrechenden Ehe «The Marriage Story» mit Scarlett Johansson und einem überzeugenden Adam Driver in den Hauptrollen.

 

Gute Unterhaltung ist teuer

Die zum Teil horrenden Lizenzgebühren, die Netflix inzwischen bezahlen muss, sind ein Grund weshalb das Unternehmen vermehrt auf Eigenproduktionen setzen will. Damit Du eine Vorstellung von den Zahlen hast, hier nur ein Beispiel: Die Lizenz für die Serie «Friends» mit Jennifer Aniston lief 2018 aus. Bis dahin hatte Netflix dem Rechteinhaber jährlich 30 Millionen Dollar bezahlt. Damit die vielen «Friends»-Fans nicht auf ihre geliebte Serie verzichten müssen, blätterte Netflix für die Ausstrahlungslizenz dieser alten Kiste (1994-2004) ganze 100 Millionen Dollar hin – und zwar nur für das Ausstrahlen in den USA und nur für ein Jahr. Das muss sich wohl lohnen. Kundenbindung scheint alles zu sein in diesem Geschäft.

Lizenzen für beliebte Filme und Serien sind also teuer. Aber auch die Produktion von einigen der gut gemachten Serien mit bekannten Schauspielenden und Regisseuren muss viel, viel Geld kosten. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber im Netz kursieren diverse Summen. Es heisst, dass nur eine Episode von «The Witcher» oder ähnlichen Fantasy-Serien bis zu 15 Millionen Dollar kosten. Über kurz oder lang kann sich der Streaming-Anbieter solche Produktionen vielleicht nicht mehr leisten. Wirtschaftsexperten spekulieren schon, ob die Strategie von Netflix aufgeht oder ob sie dem Streaming-Pionier das Genick bricht. Besonders jetzt, da mit Disney+ ein anderer starker Name auf dem Markt ist. Schade wär’s. Eigentlich sollte doch auch Qualität und gute Unterhaltung mit weniger finanziellen Mitteln möglich sein. Es muss ja nicht mit jeder Serie eine ganze neue Welt erschaffen werden. Wir wollen doch nur gute Unterhaltung. Und wenn das sowohl Netflix wie auch Disney+ weiterhin gelingt, abonnieren wir vielleicht sogar beide.