Titel_Blog-Telecom_de
28. August 2019

Mobile | 5G | Roaming

Ein magischer Spiegel wie im Märchen

Augmented Reality, kurz AR, macht es möglich: Ein Spiegel, der Dich in Deinem Traumkleid spiegelt und Dich im passenden Sonnenuntergang zeigt, obwohl Du in Deinen Alltagsklamotten vor ihm stehst.

Erweiterte Realität (Augmented Reality) bedeutet die Kombination von Virtualität und Realität, von Phantasie und Wirklichkeit. Gegenüber der virtuellen Realität, bei der Du komplett in eine imaginäre Welt eintauchst, werden bei der erweiterten Realität nur gezielte virtuelle Informationen in eine sonst reale Situation eingespielt. Und genau das macht sich der Augmented Reality Spiegel zunutze: Du stehst zum Beispiel in Deiner Jeans und Deinem T-shirt vor einem AR Spiegel. Dieser spiegelt Dich ganz normal und zeigt Dir die Realität. Nun zieht er Dir virtuell verschiedene Kleider an und verändert den Hintergrund in eine zu den Kleidern passende Szenerie. Das heisst, ohne dass Du auch nur ein einziges Kleidungsstück ausgezogen hast, zeigt Dich Dein Spiegelbild nun in Badeshorts an einem wunderschönen Strand. Dabei kannst Du Dich ganz normal bewegen und per Handbewegung oder auch per Sprachbefehl interaktiv die Kleider oder den Hintergrund wechseln. Als Krönung kannst Du Dir zum Schluss noch den Screenshot als Foto schicken lassen. Krass nicht?

Science-Fiction oder Wirklichkeit

Vor ein paar Jahren, als die ersten Prototypen vorgestellt wurden, sah es irgendwie lächerlich aus, da die Kleider sich nicht mit der Person vor dem Spiegel synchron bewegten und auch nicht richtig auf den Körper passten. Doch das Potential hinter der Idee des interaktiven Spiegels ist gigantisch. Und auch wenn bis heute noch kein AR Spiegel auf dem Markt ist, so ist die Technik seither nicht stehen geblieben. Der US-Riese Amazon hat denn auch vor einem Jahr einen Spiegel patentieren lassen, der alle anderen in den Schatten stellen soll. Um dieses Ziel zu erreichen übernahm Amazon ein Startup aus New York namens Body Labs, das sich auf die automatisierte 3D-Erfassung des menschlichen Körpers spezialisiert hat.

Patentiert wurde dafür ein Spiegel, in dessen Rahmen Kameras und mehrere 3D-Sensoren angebracht sind, die den Körper vor dem Spiegel scannen und die Daten übertragen und verarbeiten. Auch der Hintergrund wird als solcher erfasst. Hinter der lichtdurchlässigen Spiegelfläche befindet sich ein Bildschirm auf dessen Display die virtuellen Bilder, also die Kleider und die imaginären Hintergründe erscheinen und das reale Spiegelbild überlappen. Bekanntestes Beispiel solch virtueller Überlappungen: snapchat. Die Kult-App, die mit ihren Filtern aus Mädchen Jungs macht oder Dir ein makelloses Gesicht mit grossen Bambiaugen verpasst, funktioniert mit genau dieser Technik der erweiterten Realität.

Doch wann dieser ausgeklügelte Wunderspiegel von Amazon tatsächlich auf den Markt kommt ist noch unklar. Klar ist jedoch, die Konkurrenz schläft nicht und während Amazon noch auf sich warten lässt, gibt es in den USA bereits seit 2015 den sogenannten „Memory Mirror“ von Memomi. Das US-amerikanische Unternehmen hat seinen digitalen Speicher-Spiegel entwickelt, um den Kunden zu ersparen, ein Kleidungsstück für den Vergleich zweimal anziehen zu müssen. In einem riesigen Display filmt er die Kundin und spielt sie in jedem Kleid in einer Rundum-Version ab. Dabei kann die Farbvariante des Kleides, die zur Verfügung stehen, virtuell gewechselt werden, ohne, dass sie das Kleid in der anderen Farbe anziehen muss. Im Unterschied zum Memory Mirror mit gefilmten Sequenzen, arbeitet das Amazon-Patent mit einem echten Spiegelbild und live.

Ade Schaufensterpuppe, hallo Spiegelbild

Erst mal auf dem Markt, könnten die magischen Spiegel in Zukunft zum Beispiel die leblosen Schaufensterpuppen ersetzen und Dich selbst im Schaufenster spiegeln. Dir anstelle der Winterjacke den neusten Badeanzug oder das hippste Cocktailkleid auf den Körper beamen und Dich aus der Kälte in die heisse Sonne zaubern. Auf diese Weise könnten auch die engen und muffigen Umziehkabinen bald der Vergangenheit angehören. Oder sogar die Läden selbst könnten überflüssig werden, denn wenn ein solcher AR Spiegel die Kleidung digital auf den Körper projeziert, muss sie nicht mehr im Laden ausgestellt werden. Ein System, dass natürlich für einen online - Giganten wie Amazon absolut Sinn macht. Wenn diese Technik es schafft, realistisch die Wahrnehmung zwischen echt und virtuell zu verwischen, dann könnte daraus eine Revolution werden, die das Verhalten der Konsumenten nachhaltig verändert.

Tatsache ist aber, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die Wunderspiegel so real funktionieren, dass deren Nutzung für Dich als Kunden einen echten Mehrwert darstellen und mehr sind als bloss amüsante Spielerei.

 

Mehr über Internet 1 Giga