Titel_Blog-Telecom_de
16. Januar 2020

Television | Mobile | Apps | Internet | Trends | News | 5G | Roaming | DVBT

Electronics: Wir gehen auf Diät

Streamen ist doch nicht so unökologisch wie Fliegen. Trotzdem gehen wir auf E-Diät. Selektiv und konzentriert, heisst das Rezept.

Etwas aufatmen können wir. Streamen soll also doch nicht ganz so schlimm sein wie das Fliegen. Im letzten März machte eine Studie der französischen Denkfabrik «The Shift Project» in den Medien die Runde. Diese stellte fest, dass der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoss aufgrund der Digitalisierung unterschätzt werde. Insbesondere das Streamen verbrauche eine Unmenge an Energie und sei mindestens so schlecht fürs Klima wie der gesamte zivile Flugverkehr. Zum Jahresbeginn, als wir eigentlich unseren Neujahrsvorsatz «Ich werde weniger streamen» bereits gefasst hatten, veröffentlicht die Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) einen Artikel, der die Ergebnisse von «The Shift Project», respektive deren Interpretation durch die Medien, relativiert.

 

Die Masslosigkeit ist das Problem

Der weltweite Energieverbraucht sei allerdings beachtlich, heisst es dort. Der Nutzen verteile sich im Vergleich zum Flugverkehr aber auf viel mehr Menschen: «57 Prozent aller Menschen haben heute Zugang zum Internet. 34 Prozent haben ein Smartphone. Aber nur 3 Prozent der Weltbevölkerung können es sich leisten, mindestens einmal im Jahr zu fliegen», wird Lorenz Hilty, Leiter der Forschungsgruppe Informatik und Nachhaltigkeit an der Empa und der Universität Zürich im Empa-Artikel zitiert. Zudem erklärt er, Streaming sei zwar das energieintensivste, was man im Internet machen könne, trotzdem sei die Übertragung eines Videostreams normalerweise nicht belastender, als einen Raum zu beleuchten. 150 Gramm CO2 fielen bei einer Stunde Streaming auf einem Flachbildfernseher an. Zum Glück setzen wir bei der EBL Telecom auf grünen Strom. Wir haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und setzen sonst auf Wasserkraft. Da ist das Gewissen beim Streamen schon etwas beruhigt. Aber es ist halt die Masse die es ausmacht – oder die Masslosigkeit. Alle streamen, immer und überall, und vor allem auch Zeug, dass sie doch gar nicht wirklich interessiert.

 

E-Diät ist angesagt

Diese Masslosigkeit im Umgang mit den elektronischen Medien ärgert uns vor allem an uns selbst. Es ist einfach zu verlockend. News hier und News dort, kaum schauen wir aufs Smartphone. Ein Titel klingt verlockend und bevor wir uns bewusst werden, was wir tun, klicken wir von einer News zur anderen, schauen ein Video nach dem anderen. Das Resultat: Wir haben die Zeit mit unwichtigem Zeugs verplempert, sind unzufrieden und jetzt auch noch unfähig, uns zu konzentrieren. Da fällt uns ein Artikel ein, den wir vor ein paar Monaten in der NZZ gelesen haben. Schriftsteller Rolf Dobelli plädiert darin für einen radikale News-Entzug und die Fokussierung auf das, was für unser Leben relevant ist oder uns wirklich interessiert. Für uns übersetzen wir das so:

  • Gezielt aussuchen, was wir schauen oder lesen wollen.
  • Weniger Binge-watching, mehr Spannung aushalten und geniessen.
  • Weniger Spielchen in den leeren Minuten zwischendrin. Einfach mal sein!
  • Auf die News können wir getrost ganz verzichten. Warum soll es uns eigentlich interessieren, was irgendjemand in 5000 Kilometer Entfernung für einen lustigen Mist gebaut hat?

Es ist also E-Diät angesagt. Zumindest mal im Januar.

Mehr über Internet 1 Giga

Quellen:

Studie von «The Shift Project»
Link: https://theshiftproject.org/wp-content/uploads/2019/03/Lean-ICT-Report_The-Shift-Project_2019.pdf

Artikel der Empa: «Lieber Streamen als Fliegen»
Link: https://www.empa.ch/web/s604/is-streaming-the-new-flying

NZZ-Artikel von Rolf Dobelli: «Wollen Sie klarer denken? Machen Sie eine News-Diät!»
Link: https://www.nzz.ch/feuilleton/rolf-dobelli-vergessen-sie-die-news-ld.1500106