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11. November 2019

Mobile | 5G | Roaming

Fitbit – ein Puzzlestein mehr für Googles Datenimperium

Ab nächstem Jahr irgendwann soll Fitbit zu Google gehören. Damit dringt der Tech-Gigant noch tiefer in unser Leben ein und weiss definitiv mehr über uns als wir selbst.

Am 1. November 2019 haben sie es beide verkündet: Sofern die Aktionäre und Aufsichtsbehörden nichts dagegen haben, kauft Google Fitbit – Pionier in Sachen Fitness-Tracker. Etwa 2.1 Milliarden Dollar Cash bezahlt Google dafür. Fitbit ist also längst aus den Kinderschuhen raus. Angefangen hat die Tech-Bude mit einem Tracker, den man sich noch an die Hose stecken musste, gross geworden ist sie mit mehreren Generationen von Armbändern, die neben den zurückgelegten Schritten und Distanzen auch noch den Puls, den Schlaf und ab 2016 die Schlafphasen messen. Alle gemessenen Daten werden über die Fitbit App gesammelt und analysiert. Inzwischen gibt es von Fitbit auch smarte Personenwagen, die neben dem Gewicht auch den Anteil an Körperfett messen und den BMI (Body-Mass-Index) berechnen, sowie kabellose, Schweiss abweisende Kopfhörer. Dass Fitbit den Gesundheitstracker seit 2017 auch in Form einer Smart Watch vermarktet, stürzte das kalifornische Unternehmen in eine Krise. Zu stark ist die Konkurrenz von Apple.

Nun will also Google Fitbit kaufen und ist gemäss Analysten bereit, dafür etwa eine halbe Milliarde mehr als den aktuellen Marktwert hinzulegen. Es war Google also wichtig, dass Rennen zu machen – vor Mitbietern wie Facebook. Google betreibt mit Wear OS ein eigenes Betriebssystem für so genannte «Wearables», also tragbare Kommunikationsgeräte. Aber bisher ist Wear OS noch nicht richtig abgehoben. Mit dem Kauf und der Integration von Fitbit ins Hardware Team von Google erhofft sich Google viel Know-how, nicht nur um eigene Wearables zu entwickeln, sondern auch um seine Wear OS zusätzlich zu pushen. Sowohl Google als auch Fitbit sehen laut Pressemeldung im angekündigten Kauf die Chance, um innovativer zu sein und für mehr Menschen Gesundheit zu ermöglichen. «Make everyone in the world healthier»: die grosse philantrophische Vision von Fitbit soll nun auch für Google gelten.

Fitbit bringt aber nicht nur Hardware und Know-how zu Google, sondern eine Menge Gesundheitsdaten. Rund 27 Millionen aktive Nutzer zählt das Unternehmen. Was mit ihren Daten geschieht, dürfte ihnen nicht egal sein. Im Gegensatz zu Fitbit, das bei seiner Kundschaft und am Markt eine sehr hohe Glaubwürdigkeit bezüglich Datenschutz geniesst, wurde Google schon mehrfach für seine Datenpolitik kritisiert.

Alle Informationen der Welt

Daten oder Informationen sind denn auch das Geschäftsmodell von Google. Die gleichnamige Suchmaschine war nicht die erste, aber die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin zeichneten ihren Gratis-Service mit ihrem Page-Rank-Algorithmus aus, der die gefundenen Webseiten nach Relevanz ordnen. Die Suchmaschine war so viel besser als andere, dass wir seither einfach «googeln». Die Vision der Google-Gründer, «alle Informationen der Welt zu organisieren», lässt das Unternehmen stetig wachsen. Fitbit ist gemäss einer unvollständigen Liste auf Wikipedia das 230. Unternehmen, dass sich Google einverleibt. Schon vor vier Jahren haben Page und Brin Google in eine neue Holding Gesellschaft umgewandelt mit dem Namen Alphabet. Das Kernstück ist noch immer Google LLT, die neben der gleichnamigen Suchmaschine weitere Suchdienste wie youtube oder GoogleMaps beinhalten sowie andere Internet basierte Dienstleistungen wie Google Nest für das smarte Zuhause. Andere Tochterfirmen der Alphabet Inc. sind Calico, ein Biotechnologieunternehmen, das Methoden gegen die Alterung entwickelt oder DeepMind, das sich auf die Programmierung von Künstlicher Intelligenz spezialisiert. Was die Grösse und Breite von Alphabet und Tochter Google so mächtig macht, ist, dass die meisten ihrer Dienste und Services eben Daten organisieren und analysieren – und zwar unsere Daten. Das Unternehmen registriert via Mouseklicks das menschliche Verhalten im Internet, es registriert via Nest unser Verhalten und unsere Vorlieben zuhause und mit Fitbit wird es nun auch noch über unsere Fitness Bescheid wissen. Mit seinen diversen Suchdiensten nutzt das Unternehmen die Daten, um Geschäfte mit Werbung zu machen. Wird es auch unsere Gesundheitsdaten für Goolge Werbung zu nutzen? Sowohl Fitbit als auch Google LLT versprechen, es nicht zu tun.

 

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