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7. Oktober 2019

Mobile | 5G | Roaming

Google versenkt "Dunant" im Atlantik

Google legt ein eigenes Tiefseekabel von Amerika nach Europa. Es soll die Kapazität der Cloud-Services gezielt erhöhen.

Man könnte meinen, wenn wir unsere Fotos und Dokumente in die Cloud schicken oder einen Film vom anderen Ende der Welt zu uns streamen, werden in unserem Zeitalter die binären Codes dafür ins All geschickt und per Satellit wieder zurück auf den anderen Kontinent gespiegelt. Tatsächlich laufen die Datenübertragungen via Seekabel billiger und effizienter als über Satelliten. Ohne diese schnellen Verbindungen im Meer könnten viele Kommunikationsdienste nicht umgesetzt werden. So liegen inzwischen unzählige dicke Kabelstränge am Boden unserer Ozeane – das erste davon, ein Telegrafenkabel zwischen Amerika und Europa wurde nach mehreren gescheiterten Versuchen im Jahr 1866 gelegt. All diese Kabel, vor allem die modernen Glasfaserkabel, sind die Unterwasser-Schnellstrassen der globalen Kommunikation.

Bisher wurden diese Tiefseekabel von internationalen Konsortien beschlossen, finanziert und gelegt. Nun ist Google dabei, eigene, private Datenschnellstrassen im Meer zu versenken. Die erste grosse davon wurde diesen April fertiggestellt. Das Projekt mit dem Namen «Curie», benannt nach der Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie, legte eine Verbindung zwischen Los Angeles und dem chilenischen Hafen von Valparaiso. Das Curie-Kabel ermöglicht es Google, Cloud-Kunden in ganz Lateinamerika zu bedienen.

Nun ist das Technologieunternehmen bereits an ihrem zweiten, für uns in Europa wichtigeren Projekt. Das Dunant-Kabel, seinerseits nach dem Schweizer Friedensnobelpreisträger und Rotes Kreuz-Gründer Henri Dunant benannt, soll bis Ende 2020 von Virginia Beach in den USA zur französischen Atlantikküste gelegt sein. Das Dunant-Kabel soll die Netzwerkkapazität über den Atlantik erhöhen, und damit eine der am stärksten genutzten Internet-Route verstärken und das Wachstum von Google Cloud unterstützen.

Google erklärt ihre neuen Investitionen in eigene Tiefseekabel unter anderem damit, dass es mit privaten Seekabeln die Routen gezielt auswählen kann. Im Fall von Dunant wollte Google eine Verbindung über den Atlantik, die sich in der Nähe bestimmter Rechenzentren befindet. Zu den Gründen könnte jedoch auch das Ziel gehören, in bestimmte Länder zu gelangen oder zuvor unterversorgte Orte zu verbinden, wie dies bei Curie der Fall war. Google schreibt, es wird aber weiterhin auch auf Konsortien sowie auf eingekaufte Kapazitäten setzen – je nachdem, was die Bedürfnisse des Unternehmens und seiner Kunden am besten erfüllt.

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